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Laufbericht: Ich habe mich verliebt!

Nein – keine Sorge – ich bin ein treuer Ehemann und weiß, an wessen Seite ich gehöre. Aber mein Läuferherz wurde am vergangenen Sonntag von einer neuen Laufstrecke quasi im Sturm erobert. Die Rede ist vom 26. Refrather Herbstlauf im Kölner Königsforst. Gestartet wurde neben dem Schülerlauf, in der 5km-, 10km- und Halbmarathondistanz.

Für mich stand der 10km-Lauf auf dem Plan – wieder ein Wertungslauf im PSD Bank Lauf Cup. Startzeit 10.50 Uhr. Endlich mal ein Sonntagslauf, bei dem man nicht schon so zeitig aufstehen muß, zumal ich über die A3 und A4 nur eine Anfahrt von gut 15 Minuten hatte. Vorher noch schnell ein kurzer Zwischenstopp bei meinen Schwiegereltern, um Frau und Kinder dort zum Frühstück „abzuliefern“ und schon stand ich kurz vor 10 Uhr an der Schutzhütte „Am dicken Stock“, dem Start- und Zielbereich des Laufes. Startnummer abholen, umziehen, einlaufen und dann sollte es auch schon pünktlich losgehen. Die Zeitnahme erfolgt Brutto wie Netto – also am Start möglichst weit vorn einreihen.

Ich stehe zwischen Reihe 3 und 5. Es folgt noch ein kurzes Anmoderieren das Laufes und einiger regionaler Hochkaräter und dann ertönt der Startschuß. Forerunner drücken und los geht’s! Plan für heute – noch einmal Attacke auf die Bestzeit vom vorangegangenen Wochenende und nach Möglichkeit sogar unter 43:00min bleiben. Hierzu will ich bis KM5 einen 4:20er Schnitt verwalten, um in der zweiten Rennhälfte das Tempo sukzessive zu steigern. Vom Streckenprofil her geht es die ersten 5 Kilometer stetig leicht bergauf bis zum hiesig bekannten „Monte Troodelöh“, dem höchsten Punkt von Köln, mit einer Höhe von 118,04 m ü. NN. Dort wird exakt bei KM5 gewendet und das Ganze wieder retour gelaufen. Kurz vor dem Lauf gab der Moderator dem Läuferfeld noch mit auf den Weg: „Lauft den ersten Teil moderat und gebt dann auf dem Rückweg ordentlich Gas. Da könnt Ihr es dann quasi bis zum Ziel rollen lassen.“

Nach dem Startschuß geht es direkt – wie für einen 10er üblich – ordentlich zur Sache. Die Spitze läuft mit einem Schnitt unter 3:30min/km davon und der Nachtrupp formiert sich allmählich. Ich bin gut weggekommen und versuche nach ca. 500 Metern mich mehr und mehr auf mein Tempo einzupendeln. KM1 geht mit 4:15 zu Buche – soweit, so gut. Ab KM2 geht es dann „an den Berg“. Obwohl man nicht wirklich sieht, dass man bergauf läuft, merke ich es doch schon bald in den Beinen. Der Schnitt fällt etwas, aber bleibt im grünen Bereich. Ich könnte zwar noch ein Schippchen draufpacken, möchte aber, trotz der Vorstellung, dass es gleich nach der Wende einfacher wird, nicht zu viel riskieren. Ich kenne die Strecke nicht und bleibe deshalb noch vorsichtig. Erst die Pflicht und dann die Kür! Die „Deadline“ für den Wendepunkt bei KM5 liegt bei 21:40min. Und wie ein Schweizer Uhrwerk umrunde ich tatsächlich bei genau 21:40min den mit Sand markierten Wendepunkt. Okay – die Taktik ist nun erfolgreich zu 50% umgesetzt – ab jetzt wieder „alles oder nichts“!

Nach den ersten Metern Rückweg sehe ich bereits, dass es bis hierhin doch eine ganz ordentliche Steigung hinauf ging. Konnte man bisher „den Berg“ nicht wirklich optisch ausmachen, so ist er jetzt umso deutlicher zu erkennen. „Talblick“ wäre übertrieben, aber man sieht und spürt – es geht bergab. Spontan fallen mir wieder die Worte des Moderators kurz vor dem Start ein – „ …. gebt dann auf dem Rückweg ordentlich Gas. Da könnt Ihr es dann quasi bis zum Ziel rollen lassen ….“. Haha – innerlich schiebt sich bereits jetzt ein breites Grinsen über meine Lippen, denn ich weiß, das kann nur eine neue Bestzeit werden. Mit 21:40min zur Wende lag ich voll im Soll – jetzt muß die eine oder andere Sekunde einfach herausspringen. Also – mit Vollgas zurück zum Ziel!

Spaß – ja – es macht wirklich Spaß! Die Beine laufen wie von selbst. Es geht permanent leicht bergab. Noch immer kommen mir einige Läufer/innen entgegen, die sich noch auf dem Hinweg befinden. Ich möchte Ihnen am liebsten zurufen: „Leute – haltet durch – gleich kommt die Erlösung!“. Meine Pace liegt nun phasenweise unter 3:50min/km. Der Gesamtschnitt nähert sich immer mehr einer 4:15min/km. Die Kilometermarkierungen fliegen vorbei und ich rechne die Zwischenzeiten bereits hoch. Yeeeehaaaa – das wird noch einmal richtig gut heute!

Zwischen KM8 und KM9 ein kleiner Anstieg. Doch der kann mich nun nicht mehr bremsen. Ab KM 9 geht es nur noch bergab in Richtung Ziel. Jetzt wird alles rausgehau’n! Und es läuft! Kurz vor dem Ziel sehe ich schon Kai Engelhardt von den Laufmonstern, der heute zwar nicht läuft, dafür aber wieder für geniale Fotos sorgen wird. Ich reiße den Arm nach oben, in der Hoffnung, Kai hält gut mit der Linse drauf. Und ja – das hat er ….

Foto: Kai Engelhardt

Ziellinie! Forerunner abdrücken – 42:39min – Yeeeehaaaa! Noch einmal 42 Sekunden Verbesserung der Bestzeit vom vorangegangenen Wochenende. Super – das hat noch einmal prima geklappt!

Austrudeln und direkt auf einen der angrenzenden Waldwege zum Auslaufen und Runterkommen. Was für ein Lauf! Genial! Und was für eine Strecke! Fast ärgere ich mich schon wieder, dass ich auf dem Hinweg bis zur Wende nicht viel mehr riskiert habe. Aber gut – jetzt kenne ich die Strecke und weiß es fürs nächste Mal besser. Und es wird ein nächstes Mal geben! Diese Strecke ist meine neue 10km-Lieblingsstrecke – ohne Frage!

Nach dem Auslaufen ziehe ich mir schnell die langen Sachen über. Dann noch einmal zum Ziel, um mich von Kai zu verabschieden, der natürlich noch lange nicht alles im Kasten hat, denn in wenigen Minuten gehen auch noch die „Halbmarathonis“ auf die Strecke. Und dann mache ich mich auf den Heimweg.

Also – Königsforst – schön war’s und gut war’s! Und Spaß hat’s auch noch gemacht! Auf Wiedersehen – und das meine ich wörtlich! 😉

Abschließend noch kurz die Statistik – mit der Laufzeit von 42:39min belegte ich Platz 55 im Gesamtklassement von 214 Startern sowie Platz 8 von 22 in der AK M35. Für die AK-Wertung im PSD Bank Lauf Cup brachte das 43 Punkte und eine Verbesserung von Platz 7 auf Platz 4.

Ein Wertungslauf steht für mich nun noch aus, um auf die geforderte Anzahl von 5 Läufen zu kommen. Diesen möchte ich am 19.11.2011 beim Herbstlauf des GSV Porz bestreiten, wobei ich mich noch nicht endgültig entschieden habe, ob ich über die 10km- oder die Halbmarathondistanz an den Start gehe. Beide Distanzen sind jeweils als Wertungslauf für den PSD Bank Lauf Cup ausgeschrieben.

Jetzt steht erstmal eine „Ruhewoche“ an. Kein Intervalltraining, kein Tempolauf. Dann noch einmal 3 Wochen „Zügel anziehen“ und Saisonende in Köln-Porz.

In diesem Sinne – RUN ON!

Ergebnisse 26. Refrather Herbstlauf

PSD Bank Lauf Cup

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Laufbericht: Seek and destroy!

Zugegeben – diese etwas marchialische Überschrift – passt so gar nicht zum entsprechenden Laufevent vom vergangenen Sonntag – dem 22. Kölner Friedenslauf. Aber genau mit dieser Einstellung ging ich an den Start des selbigen. Attacke auf die Bestzeit!

10 Kilometer waren zu laufen und eine sub44min stand zur Pflicht. Meine alte Bestzeit von Ende Juli dieses Jahres lag bei 44:04min und sollte nun fallen. Zudem wollte ich eine möglichst gute Platzierung in meiner AK M35 erzielen, um weitere Punkte im PSD Bank Lauf Cup zu sammeln. Wie schon im letzten Laufbericht geschrieben, war ich ursprünglich überhaupt nicht auf eine aktive Teilnahme an diesem Lauf Cup aus, aber nun, mit bereits zwei guten Altersklassenwertungen, hat mich doch der Ehrgeiz gepackt.

Und so stehe ich am Sonntagmorgen bei sportlichen 4°C, aber traumhaftem Herbstwetter, um 10.00 Uhr am Start. Das Teilnehmerfeld ist überschaubar, eine feste Startaufstellung gibt es nicht, also habe ich mich, wie so meist, irgendwo zwischen Reihe 5 und 10 platziert. Letzte Fotos werden geschossen und dann geht es auch schon los. Die Streckenführung ist relativ simpel und geht vom Gelände der Kölner Zirkusschule direkt hinunter zum Rhein und weiter in Richtung Bastei, wo das Feld zum ersten Mal bei KM2 wendet. Anschließend das Ganze retour und weiter am linken Rheinufer entlang bis auf Höhe des Niehler Containerhafens. Wende bei KM7 und wieder zurück bis zum Start, welcher gleichermaßen dann zum Ziel wird. So gesehen, eine schön zu laufende Strecke, die mir aus vielen Trainingsläufen und Radausflügen bestens bekannt ist. Einziger Knackpunkt, wie so oft am Rheinufer, die doch recht steife Brise, welche dem Läuferfeld auch an diesem Sonntag ordentlich entgegenwehen sollte.

Kurz nach dem Start habe ich schnell mein für diesen Lauf vorgesehenes Tempo von 4:15 – 4:20min/km gefunden. Bis zur ersten Wende läuft alles nach Plan. Danach wird es etwas schwieriger, da sich das Feld mittlerweile sehr auseinandergezogen hat und ich nun allein gegen den Wind laufe. Hier muß ich doch schon ordentlich pacen, um nicht jetzt schon zu viel an Boden zu verlieren. Aber der Schnitt bleibt im Normbereich und nur das zählt.

So geht es weiter bis zur zweiten Wende bei KM7. Zwischendurch wurde ich noch von einem kleinen „Lauftrupp“ überholt, jedoch schien es mir, als wenn sich dessen Teilnehmer gut kannten und relativ geschlossen eine gleiche Pace laufen wollten. Für einen Moment überlegte ich mir mitzugehen, allerdings war mir das Tempo dann doch etwas zu hoch, gemessen an der noch zurück zu legenden Strecke. Also lieber allein weiter.

Doch nach dem zweiten und letzten Wendepunkt versuchte ich dann auch noch einmal Gas zu geben. Noch 3000 Meter waren nun zurück zu legen – jetzt hieß es, alles oder nichts. Und so rannte ich quasi gegen die Uhr. Rechnerisch war eine neue Bestzeit allemal drin – also jetzt bloß nicht schlapp machen. Feuer!

Kilometer 8 und 9 erledigten sich relativ zügig und ich konnte sogar noch einen bis dahin ca. 200 Meter vor mir gelegenen Läufer einsammeln. Ab KM 9 war dann schon das Ziel zu sehen und zu hören. Eine kleine Zuschauergemeinde säumte den Streckenrand an der Einbiegung zum Zieleinlauf. Jeder bekam ordentlich Beifall. Klasse! Vor mir war niemand erreichbares mehr, hinter mir drohte auch keine „Gefahr“. Und so lief ich quasi im Alleingang auf die Zielgerade und mit 43:21min über die Ziellinie. Yeeeehaaaa! 43 Sekunden gegenüber dem letzten Mal rausgelaufen – das passt für heute! Vielleicht wäre das eine oder andere Sekündchen bei weniger Wind noch drin gewesen, aber gut, „vielleicht …. wenn …. eventuell ….“ – im Endeffekt zählen nur Fakten.

Foto: Kay Engelhardt

Der Rest ist schnell erzählt. Nach dem Zieleinlauf lief ich direkt weiter auf den angrenzenden Parkplatz zu meinem Auto. Da ich trotz der recht kalten Temperaturen komplett kurz gelaufen war, wollte ich mir nun schnell die langen Sachen wieder überziehen. Dann noch einmal zurück zum Start-/Zielbereich, um die offizielle Laufzeit bestätigt zu bekommen. Okay – alles gut. Zurück zum Auto und ab nach Hause. Auslaufen, Dehnen, Duschen und Essen. Der Restsonntag gehörte natürlich wieder der Familie und wurde gemeinsam bei herrlichem Herbstwetter im Leverkusener Neuland-Park verbracht.

Zum Laufevent selbst kann ich sagen – alles sehr gut organisiert und durchgeführt. Prima – das hat Spaß gemacht! Wenn’s im nächsten Jahr passt, bin ich mit Sicherheit wieder am Start.

Mit meiner 43:21min belegte ich am Sonntag den 38. Rang im Gesamtklassement von 114 Teilnehmern, und Platz 5 von 12 in der AK M35. Im PSD Bank Lauf Cup konnte ich mich damit von Platz 20 auf Platz 7 verbessern.

Der nächste Wertungslauf steht nun schon bereits am kommenden Sonntag, 23.10.2011 mit dem Refrather Herbstlauf an. Hier werde ich wieder über die 10km-Distanz an den Start gehen. Mal schauen, ob es wieder zu einem richtig schnellen Lauf reicht …. 😉


Mein erster 10er ist im Sack!

Mein erster offizieller 10km-Lauf und somit auch mein erster Vorbereitungslauf für den Sparkasse KölnBonn Halbmarathon am 02.10. – beides kann seit vergangenem Sonntag abgehakt werden!

9.30 Uhr sollte es losgehen – 10km-Lauf bei „Die 10 Meilen von Köln“. Ursprünglich wollte ich die 10km-Distanz ja schon drei Tage zuvor beim diesjährigen Sportscheck-Lauf in der Kölner Altstadt absolvieren, aber da war ich mit der Voranmeldung zu spät dran. Deshalb der Umstieg auf den 10km-Lauf am Sonntag auf dem Sportgelände des ESV Gremberghoven. Im Nachhinein bin ich froh, dass alles so kam, denn es war eine rundum gelungene Veranstaltung!

Den Wecker hatte ich mir für 6.00 Uhr morgens gestellt. Nach gut 8 Stunden Schlaf kam ich gut und pünktlich aus den Federn. Kurzer Wetter-Check – bewölkt und um die 15°C – soweit okay. Also weiter im Plan. Morgentoilette, Frühstück, Tasche packen und von der Familie, die mittlerweile mit Frau und Sohn fast vollständig vertreten war, verabschieden. Dabei gab es noch eine kleine Überraschung! Meine Frau teilte mir nämlich mit, dass sie mit Sohnemann und Töchterchen, entgegen der eigentlichen Sonntagsplanung, doch an die Strecke kommen würde, um den Ehemann und Papa kräftig anzufeuern. Darüber habe ich mich natürlich sehr gefreut!

Also setze ich mich mit diesem zusätzlichen Motivationsschub ins Auto und düse zu den „Poller Wiesen“. Ich war bereits schon am Vortag kurz dort, um mir ein Bild von der Strecke sowie den Parkmöglichkeiten zu machen. Ich hatte mir ausgerechnet, wenn ich gegen 8.00 Uhr dort bin, dürfte es parktechnisch keine Probleme geben. Und so war es dann auch. Ich konnte mein Auto quasi direkt am Veranstaltungsgebäude abstellen. Super! Tasche geschnappt und erstmal für den Start einchecken. Da ich schon online vorangemeldet hatte, ging das flott über die Bühne. Startnummer 316 war für mich reserviert.

Und da waren auch schon alle Formalitäten erledigt! 8.30 Uhr – noch eine Stunde Zeit – was nun? Ich fragte kurz nach Umkleidemöglichkeiten. Die gab es auch, aber eigentlich kann ich mich auch direkt am Auto umziehen, fiel mir dann ein. Also zurück zu selbigem und alles schön in Ruhe. Laufshirt an, Startnummer anbringen, lange Hose aus, Chipband ums Fußgelenk, Pumas an die Füße, noch ein Langarmshirt überziehen, Laufcap auf, 305er ans Hanggelenk und fertig.

8.45 Uhr – Zeit, um sich mal so langsam auf Betriebstemperatur zu bringen. Hierzu eignet sich das umliegende Gelände mit seiner langen Baumallee parallel zum Rhein hervorragend. Doch da treffe ich noch auf ein Gesicht, was ich zumindest auf vielen Fotos von diversen Laufevents schon oft gesehen habe. Wir schauen uns kurz an und dann sagt derjenige zu mir: „Ach – Du bist doch der Supermario! Ich kenne doch Dein Blog. Hallo ich bin der Kay von den Laufmonstern.“ Und in dem Moment fällt’s mir auch wieder ein. Klar – Kay Engelhardt von den Laufmonstern. In den lokalen Läuferkreisen ein bekannter Name und ein bekanntes Gesicht. Er startet auch über die 10 Kilometer. Wir wechseln schnell ein paar Worte. Man sieht sich ja wahrscheinlich eh’ gleich am Start wieder.

Dann ziehe ich ein paar Aufwärmbahnen und baue auch ein paar kurze Abschnitte im geplanten Renntempo mit ein. Alles fühlt sich gut an! Ich denke, das wird heute ein guter Lauf. Apropos Renntempo – das soll nach Möglichkeit knapp unter 4:30min/km liegen. Es ist ja nicht so, als hätte ich mir für diesen Lauf nix vorgenommen! 😉 Ein Vorbereitungslauf dient ja in erster Linie als Test und ich möchte heute testen, ob ich bereits eine Zeit von unter 45:00 Minuten auf 10 Kilometer hinbekomme. Die letzen Tempotrainings haben mich hierfür optimistisch gestimmt. Und in einem Läuferfeld läuft es sich sowieso meist leichter, als wenn man allein seine Trainingsrunden abspult. Die Zeit dieses Laufes soll zudem als neue Referenzzeit für meinen aktuellen Trainingsplan dienen, heißt, die weiteren Trainingstempos werden davon abhängen.

9:05 Uhr stehe ich wieder an meinem Auto. Langarmshirt aus, Cap ab und auf zum Start. Dieser liegt quasi direkt am Rheinufer. Geniale Kulisse! Dort zieht sich ein gepflasterter Weg entlang dem Rheinufer. Später wird die Strecke über ein paar gut ausgebaute Verbindungswege wieder hoch auf die Baumallee führen. Das Ziel liegt ebenfalls auf einem Verbindungsweg zwischen Baumallee und Rheinuferweg. Für die 10 Kilometer muß die Strecke zwei Mal umlaufen werden.

Am Start treffe ich „Monster Kay“ wieder sowie auch noch Manuel Kreuer, der auch zu den Laufmonstern gehört. Dessen Frau macht noch schnell zwei Fotos von uns dreien und dann wird sich auch schon zum Start aufgestellt.

Eine feste Startordnung gibt es bei diesen kleineren Volksläufen nicht. Ich platziere mich einfach mal irgendwo um Reihe 6 herum. Hoffentlich ist das nicht zu euphorisch, denke ich noch kurz, denn ich stehe schon ziemlich weit vorn, wo man wahrscheinlich mit einem Schnitt nahe der 3:30 loslaufen muß, um nicht direkt als „Stolperstein“ zu dienen. Aber hey – trau’ Dir was zu! Dann laufe ich eben die ersten paar hundert Meter unter 4:00. Klappt im Training doch auch. Und mittlerweile ist das Feld eh‘ so dicht zusammengerückt, dass ich nicht mehr raus kann – also Vollgas von Anfang an.

Die letzten Sekunden werden runtergezählt und „Pamm“, ab geht die Post! Forerunner drücken und es geht in der Tat richtig ab! Ich laufe einfach mit, was anderes bleibt mir auf den ersten 200 Metern gar nicht übrig. Ein geiles Gefühl! Du wirst regelrecht auf einer Welle aus Adrenalin und Endorphin dahingetragen! Wie in Trance! Dann schaue ich doch mal auf die Uhr – ein 3:45er-Schnitt. Puh – das ist zu heavy! Nicht zu viele Körner jetzt schon auf der Strecke lassen! Auch wenn es echt richtig Spaß macht, zusammen mit den anderen wie bekloppt über das Pflaster zu hetzen. Also zurück in die Realität! Kurzer Blick nach hinten und leicht die Bremse rein. Die ersten ca. 20 Läufer sind eh’ schon auf und davon. Nun kommt die 4er-Pace-Riege. Die lasse ich noch vorbei. Dann möchte ich aber auch wieder mitlaufen! 😉

Alles läuft fair und sauber ab. Ich mache mich klein und versuche keinen zu behindern. Da sind wir auch schon bei Kilometer 1, der sogar mit entsprechender Pace persönlich angesagt wird. Das ist Streckenservice! 4:14min/km wird verkündet. Ein paar Meter weiter piept auch mein 305er für den ersten Kilometer und zeigt eine 4:17er-Pace an. Trotz des schnellen Starts geht das voll in Ordnung. Ich fühle mich gut! Ich gebe mir eine Pace-Toleranz bis 4:25min/km. Mehr nicht, sonst wird mir das mit der sub45:00 zu unsicher.

Okay – wo kann ich mich eventuell dranhängen? Ich finde schnell eine kleinere Gruppe, die in etwa einen 4:20er-Schnitt läuft. Also mit dazu laufen und dabei bleiben. Bis Kilometer 3 geht es auch gut, doch dann werden wir irgendwie immer langsamer. 4:30, 4:34 – nee – so wird das nix. Also keine „Gruppendynamik“ mehr, sondern einen Gang höher schalten und allein weiter. Ich ziehe das Tempo wieder auf 4:20 und laufe nun allein. Vor mir in ca. 50 Meter Entfernung läuft der nächste kleinere Trupp. Den nehme ich mir als „Zugpferd“ und versuche nach und nach aufzulaufen.

Kilometer 4 fliegt vorbei. Alles im Lot! Nun kommen wir wieder auf die Baumallee. Hier müsste ja nun auch irgendwo meine Familie stehen. Kurze Ausschau nach ganz weit vorn und tatsächlich, da steht meine Frau mit unseren zwei „Schweinchen“. 😉 Also Papa – Haltung annehmen und betont dynamisch vorbeilaufen. Meine Frau soll ja nun endlich auch mal sehen, dass ich meine abendlichen Trainingsrunden nicht nur so zum Spaß runterreiße! Kurzer Gruß an meine drei und weiter geht’s zur 5km-Marke und gleichzeitig zum ersten Mal über die Zielmatte. Es geht hier kurz bergab und ich laufe mit einer 3:17 auf dem „Tacho“. Zwischenzeit knapp unter 22:00 Minuten. Hey – das sieht doch gut aus! Wenn ich das halten kann, sollte die 45er-Marke am Ende aber in jedem Fall geknackt sein.

Um die Ecke und es geht wieder am Rheinufer entlang. Kilometer 6 und 7 fallen. Meine Pace liegt noch immer im Soll. Ab Kilometer 8 möchte ich noch einmal bisschen Gas geben. Ich fühle mich nach wie vor gut und denke, da geht noch was. Mittlerweile kann ich einige Läufer/innen einsammeln, die wahrscheinlich doch etwas zu schnell angegangen sind. Jetzt bin ich froh darüber, am Anfang nicht der gleichen Versuchung erlegen gewesen zu sein. Ich zieh noch einmal an, laufe unter 4:15, versuche das zu halten. Kilometer 9 geht mit durchschnittlichen 4:22 zu Buche. Jetzt noch 1.000 Meter und fertig!

W


Laufbericht: Mein 2. Halbmarathon

03.10.2010 – es ist soweit! Der 2. Halbmarathon meines Lebens will gelaufen werden. 6 Wochen gezielte Vorbereitung liegen hinter mir. Der Tag der Abrechnung!

6.00 Uhr klingelt der Wecker. Ein erster Blick aus dem Fenster – na Klasse – alles naß. Regnet es etwa? Sollte doch so ein Superwetter werden. Naja – egal …. . Kurz mal bei Twitter und Facebook posten, dass ich so fein aufgestanden bin und weiter zum Essenfassen. 😉

Frühstück. Schwarzbrot mit Nutella, eine Banane und eine Tasse Kaffee schwarz mit Süßstoff. Dann noch eine 400’er-Magnesiumtablette und gut. Ab jetzt nur noch trinken. Aber 2 Fruchtriegel lege ich trotzdem noch zu meinen Sachen. Man weiß ja nie.

Anschließend Duschen, Anziehen, Rucksack packen, Start-Nr. ans Laufshirt heften ….. . Abschied von Familie und ab zur Bahn. Mit der Linie 3 in Richtung Messe …..

Gegen 7.45 Uhr stehe ich an der Bahnhaltestelle vor der Lanxess-Arena. Da kommt die Nachricht vom „Laufmeister“ Kay-Uwe Seiferth auf mein Handy. Er ist bereits da. Kay-Uwe ist leidenschaftlicher Läufer und ein „Laufmonster„. Er möchte ebenfalls den Halbmarathon in Köln laufen. Ich kenne ihn bislang nur aus dem Internet. Er bloggt wie ich regelmäßig seine Lauferleb- und -ergebnisse. Nur läuft er in einer anderen Liga als ich. Eine Woche vorher wollte er beim Berlin-Marathon die 42,2 Kilometer zum ersten Mal unter 3 Stunden laufen! Leider ist ihm das wegen Achillessehnenproblemen nicht ganz gelungen. 3:07h sind’s am Ende geworden. Was für eine Hammerzeit! Aber lest dazu selbst in seinem Blog!

Kay-Uwe hatte mir schon vor einiger Zeit angeboten, mich beim Kölner Halbmarathon ein bisschen mit zu ziehen. Ich war mir aber nach seinem Berlin-Erlebnis nicht ganz sicher, ob er dafür noch die Nerven hatte. Doch dann erhielt ich am Samstag eine Nachricht von ihm, dass sein Angebot nach wie vor steht. Hierüber habe ich mich echt gefreut! Super! Er schlägt mir vor, die 1:45h in Angriff zu nehmen. Wow – das hieße, eine Verbesserung meiner Laufzeit aus meinem 1. Halbmarathon um gut 9 Minuten! War ich schon so weit? Ich hatte mir eigentlich zum Ziel gesteckt, möglichst unter 1:50h zu laufen. Und nun noch einmal 5 Minuten schneller!? Aber hey – warum nicht!? Einen Versuch war es allemal wert! Und mit Kay-Uwe als „Pacemaker“ sollte ja einiges möglich sein! Also willige ich ein und wir verabreden uns für Sonntag. Sehr schön!

Nachdem wir uns vor dem Deutzer Bahnhof getroffen haben, gehen wir gemeinsam zur Kleiderabgabe. Dabei haben wir Gelegenheit zu einem ersten Gespräch. Ich stelle schnell fest, dass Kay-Uwe ein wirklich netter Kerl ist. Na das wird doch ein schöner Lauf! Nach dem Umziehen gehen wir zum Startbereich. Es ist mittlerweile 8.30 Uhr. Noch 15 Minuten bis zum Start. Wir laufen gemeinsam eine „Warm-Up-Runde“. Unzählige Läufer/innen sind in den Straßen und Gassen um den Startbereich herum unterwegs. So langsam kommt Lampenfieber in mir auf.

Dann halten wir uns direkt neben dem Startbereich auf. Ich bin dem „blauen Block“ zugeteilt. Kay-Uwe dem „roten Block“. „Rot“ wie „Vorsicht – schnelle Läufer!“. Aber er entschließt sich, mit mir in den „blauen Block“ zu kommen, um mich von Anfang an unter seine Fittiche zu nehmen. Ich sage ja – ein feiner Kerl!

Also steigen wir seitlich über die Barriere und stehen nun im Startblock. Ziemlich weit vorn sogar – super! Jetzt steigt mein Puls. Nur noch ein paar Minuten und es geht los. Abrechnung! Schauen, ob sich die Anstrengungen der letzten Wochen auch bezahlt machen. Das ist schon ein eigenartiger Moment. Du weißt, Du wirst nicht Erster, aber auch nicht Letzter werden, sondern irgendwo mittendrin landen. Es werden auch nicht viele von Deinem Laufergebnis Kenntnis nehmen. Dein Name wird halt irgendwo in einer schier endlosen Liste neben einer bestimmten Zeit stehen. Eigentlich die besten Voraussetzungen, um relaxt und locker zu sein. Das Wetter ist mittlerweile traumhaft. Also wozu jetzt noch stressen? Aber genau das Gegenteil ist der Fall. Ich bin aufgeregt und hibbelig als müßte ich gleich vor all den tausenden Läufern/innen eine Arie singen. Ich glaube, wenn ich jetzt das kleine 1×1 aufsagen müßte, käme ich schnell in Schwierigkeiten. Aber trotzdem ist es ein geiles Gefühl! Ich bin dabei! Ich bin ein Teilchen eines riesigen Puzzles! Und wenn ich alles richtig mache, kann ich heute eine richtig gute neue Bestzeit erlaufen! Sch**ße – ist das geil! Und nun los – ich will jetzt endlich laufen!

Und da ertönt auch schon der Countdown. Wir zählen alle zusammen von 10 herunter – …. 6, 5, 4, 3, 2, 1 …. . Ich laufe! Über die Startmatte – Uhr in Gang setzen. Wo ist Kay-Uwe ….. ach da ….. okay – alles gut! Wir ziehen das Tempo sofort auf einen 5’er-Schnitt. Das Läuferfeld kommt gut in Trab und man kann flüssig laufen. Sehr gut! Die Taktik sieht so aus – bis Kilometer 10/11 im Schnitt mit 5 min/km und dann bis auf 4:45 min/km anziehen, so lange, wie meine Beine das hergeben. Für Kay-Uwe ist das Ganze ja nur ein lockeres Läufchen – quasi ein letztes Auslaufen nach Berlin.

Die ersten Kilometer verlaufen gut. Fast schon zu gut, so dass wir immer wieder unweigerlich in einen Schnitt unter 5 min/km geraten. Aber ich fühle mich gut und gehe mit. Irgendwann nach einiger Zeit treffen wir auf Heiko Bartlog – ebenfalls ein Laufblogger und -twitterer. Heiko war lange Zeit stark erkältet und versucht sich in Köln so allmählich wieder in Form zu laufen. Sein nächstes großes Event ist der Marathon in Frankfurt. Er begleitet uns eine Weile und macht ein paar Fotos mit seinem Handy. Hoffe, die sind was geworden! 😉 Nach ein paar gemeinsamen Kilometern läßt uns Heiko wieder ziehen, um nicht gleich wieder zu viel zu riskieren. Aber schön, sich so auch mal persönlich kennengelernt zu haben.

Wir haben mittlerweile die Wendemarke am Ebertplatz passiert und laufen „auf den Ringen“ wieder zurück zum Rudolfplatz. Unser Tempo liegt noch immer meist knapp unter 5 min/km. Alles verläuft soweit nach Plan, aber so allmählich wird es hart für mich. Wir liegen jetzt irgendwo zwischen Kilometer 10 und 15. Eine echte Temposteigerung ist nicht drin. Ich möchte die aktuelle Geschwindigkeit lieber noch so lang wie möglich halten. Kay-Uwe ist einverstanden. Er läuft noch immer völlig locker und leicht vor mir her. Unglaublich! Da naht wieder eine Verpflegungsstation. Kay-Uwe bietet mir an, dass er für uns zwei etwas zu trinken holt. Ich solle einfach mal weiterlaufen und er kümmert sich um alles. Einerseits könnte ich schon ein paar Schlückchen Wasser vertragen, andererseits ist es mir schon fast peinlich. Ich komme mir vor, wie ein Rentner, der mit seinem Zivi läuft. 😉 Aber okay – für Kay-Uwe geht es eh‘ um nix und für mich um eine neue Bestzeit. Also gut – Herr Laufmeister – ich hätte dann gern ein Wasser! 🙂

Auf den „Ringen“ ist trotz der noch recht frühen Stunden eine Menge los. Und schon laufen wir über den Rudolfplatz. Nun geht es in Richtung Ziel! Ich bin am kämpfen, aber wir halten den Schnitt. Ich glaube, ohne Kay-Uwe hätte ich schön seit einiger Zeit das Tempo etwas rausgenommen. Aber so geht es doch noch recht gut. Es ist leider nur etwas deprimierend, dass es bei ihm so locker aussieht und ich mittlerweile ordentlich schnaufe. Naja – aber ich will ja hier auch nicht den Schönheitspreis gewinnen ….

Wir biegen in die Fußgängerzone ein und laufen auf die Dom-Platte zu. Abbiegen und weiter in Richtung Gürzenich und Heumarkt. Zuvor noch über die Spendenmatte. 3,00 Euro werden hier von jedem Läufer einbehalten. Da bin ich doch dabei! Für einen guten Zweck immer!

Gleich kommt der Heumarkt. Hier wartet wieder mein größter Fan – mein Sohnemann! 🙂 Zusammen mit Oma und Opa fiebert er dem Papa entgegen. Und da sehe ich sie auch schon am Streckenrand stehen. Nur leider haben sie mich wohl noch nicht erwartet, denn sie schauen irgendwo in der Gegend herum. Ja – ihr Lieben – der Papa macht heute ernst! Im letzten Moment erblicken sie mich. Ich streichel meinem Söhnchen noch kurz über den Kopf und schon bin ich vorbei. Wir sehen uns dann im Ziel ….

Nun geht es über den Heumarkt. Alles noch nach Plan. Die sub1:45h ist zu dem Zeitpunkt noch machbar. Wir laufen auf die Deutzer Brücke. Diese ist bogenartig gebaut, das heißt, es geht nun leicht bergauf. Doch dieser leichte Anstieg fühlt sich an wie ein Ultra-Berglauf. Ich komme völlig aus dem Rhythmus und muß ordentlich Tempo rausnehmen. Ich schaue kurz auf die Uhr – 5:40 min/km! Nein! Kommt, ihr Beine – da muß doch noch was gehen. Kay-Uwe treibt mich an, aber ich habe nix mehr zu geben. Ich betreibe nur noch „Schadensbegrenzung“. Und die Zeit läuft und läuft – nur ich scheine förmlich auf der Stelle zu treten.

Wir erreichen den „Gipfel“ – ab jetzt nur noch bergab. Wieder schaue ich auf die Uhr – 1:44: …. h. Noch gut 500 Meter bis zum Ziel. Sch******ßeeeeee! Ich könnte mich schwarz ärgern! Das war sie – meine sub1:45h! Mit dieser Wut im Bauch ziehe ich das Tempo ein letztes Mal an und rase auf das Ziel zu. Auch wenn es für das eigentliche Projekt nix mehr bringt, aber es wird in jedem Fall eine neue Bestzeit. Und die soll so gut wie möglich werden!

Und da ist es – das Ziel! Über die Matte und auf die Uhr gedrückt – 1:46:11 h* – jawoll! Alte Bestzeit um über 7 Minuten verbessert – jaaaaaa ……. ! Supergeil! Aber jetzt geht auch nix mehr! Ich schleppe mich an irgendein Geländer neben dem Zieleinlauf, stütze mich auf und versuche Luft zu bekommen. Nur mal kurz durchatmen. Da höre ich auch schon mit bestimmendem Ton: „Gehen Sie dann bitte auch weiter und aus dem Zielbereich heraus!“. Ich drehe mich um, sehe eine „Ordnungshüterin“ des Veranstalters und denke nur: „Mädchen, lauf Du mal 21,1 Kilometer in 1:46:11 h – dann kannst Du mich gerne wieder ansprechen!“. 😉 Aber gut – sie macht ja auch nur ihren Job. Also raffe ich mich auf und gehe zu Kay-Uwe. Der steht völlig locker und grinst nur. Ja – nee – is‘ klar! 😉

Wir gehen zusammen in den Nachzielbereich. Erstmal etwas trinken. Eigentlich wollte ich mir kein kaltes Kölsch auf mein sensibles Kehlchen schütten, aber was soll’s. Schließlich muß ich ja mit meinem „Pacemaker“ auch mal auf meinen Erfolg anstoßen. Also holen wir uns ein alkoholfreies Reissdorf-Kölsch. Jetzt fühle ich mich richtig gut. Der ganze selbstgemachte Druck der letzten Wochen ist weg. Die neue Bestzeit ist eingefahren. Alles bestens!

Der Rest ist schnell geschrieben. Ab in den Umkleidebereich, Kleiderbeutel holen, umziehen, gemeinsam zurück gehen. Bei einem letzten Schwätzchen entdeckt Kay-Uwe auf einmal noch zwei Lauf-Blogger. Steffen von den „Runningfreaks“ und Marco von „Die Soulrunner„. Beide haben bereits den 10km-Lauf und den Halbmarathon in den Beinen und wollen sich nun noch auf die 42,2 km begeben. Das Ganze bildet den Kölner-Ultramarathon mit insgesamt 73 Kilometern. Wahnsinn! Wir stellen uns kurz vor und quatschen ein paar Sätze. Dann müssen die beiden aber auch schon zum Start. Alles Gute Euch zweien – ich habe für heute fertig! 🙂

Kay-Uwe und ich verabschieden uns nun auch. Er fährt mit der Bahn weiter, um am Barbarossaplatz seine Familie zu treffen. Ich telefoniere kurz mit meiner Frau und mache mich dann auch auf den Heimweg. Aber vorher schaue ich mir noch den Start des Marathons an. Ich stehe direkt neben der Startlinie und sehe die Topläufer/innen mal aus nähester Nähe. Eine Wahnsinnsstimmung! Gänsehautfeeling pur! Und dann ertönt der Startschuß! Wow – zischen die ab! Mehr und mehr Läufer/innen setzen sich langsam in Bewegung. Die Zuschauer jubeln ihnen zu und wünschen alles Gute. Super! Ich denke, im nächsten Jahr bin ich hier auch dabei …. aber das ist noch Zukunftsmusik. 😉

Kurz vor der Bahnhaltestelle erreiche ich meine Schwiegereltern mit meinem Sohn. Wir fahren gemeinsam nach Hause. Dort warten schon Frau und Tochter. Papa ist wieder da! Papa ist neue Bestzeit gelaufen! Alles supi! 🙂

Fazit: Ein herrliches Lauferlebnis und ein noch herrlicheres Laufergebnis! Alles hat gepaßt! Fast wären noch die 1:45 h drin gewesen, aber gut – dann eben beim nächsten Mal (hoffentlich).

Euer Supermario

*1:46:10 h offizielle Nettozeit


Laufbericht: Mein erster „Halber“!

Da war er nun – der 07.08.2010! Der Tag, an dem ich den ersten offiziellen Halbmarathon meines Lebens laufen sollte. Ausgesucht hatte ich mir hierfür den GAG-Halbmarathon in Köln. Dieser findet quasi direkt vor unserer Haustür statt und führt überwiegend über mir aus vielen Trainingseinheiten bestens bekannte Laufwege. Hierdurch sollte es mir besser möglich sein, gerade in meinem ersten Rennen, meine Reserven bezogen auf die Reststrecke einzuschätzen.

Gute 12 Wochen intensiver Vorbereitung lagen nun hinter mir und heute sollte abgerechnet werden. Ursprünglich, zu Beginn der Vorbereitung, hatte ich mir als Ziel gesteckt, möglichst eine Laufzeit unter zwei Stunden zu erreichen. Mittlerweile war ich aber auf dem Stand, dass, wenn alles gut klappt, auch eine Zeit unter 1:50 h drin sein müsste. Aber eins nach dem anderen.

5.30 Uhr: Mein Wecker klingelt. Ich war sofort hellwach. Ich schaue aus dem Fenster – super Laufwetter! Blauer Himmel und eine aufgehende strahlende Sonne. Das erste „Bingo“ des Tages! Doch dann trübt etwas die gute Stimmung. Mein rechter unterer Rücken schmerzt. Ein mir durchaus bekannter Schmerz, verursacht durch eine immer mal wieder auftretende Blockade im ISG-Gelenk (Kreuz-/Darmbeingelenk). Die in den letzten Tagen ziemlich verspannte untere Rückenmuskulatur hatte nun mehr ihren Höhepunkt erreicht. Nun gut – noch kein Grund zur Panik. Erstmal langsam in Fahrt kommen und später flach auf den Boden legen, strecken und dann mit angestellten Beinen das Becken einmal nach links und einmal nach rechts drehen, wobei die Schultern auf dem Boden bleiben. Meist knackt es dann im besagten Gelenk und die Blockade ist gelöst. Wir werden sehen.

Startzeit für den Lauf ist 8.45 Uhr. Also noch über drei Stunden Zeit. Das nun folgende Programm hatte ich die letzten Tage immer wieder im Kopf durchgespielt.

Als erstes Frühstück! Was isst man vor einem Halbmarathon am besten? Hier verließ ich mich auf die vielen Erfahrungsberichte anderer Läufer/innen. Also gab es Toast mit Magerquark und Honig. Dazu eine Tasse schwarzen Kaffee. Ich muss zugeben, dass mir das Frühstücken aufgrund der nun ziemlich starken Aufregung doch recht müßig wurde. Aber ohne Frühstück sollte man in keinem Fall laufen – so viel steht fest! Auch wenn ich am Vorabend drei Teller Spaghetti (Carbo-Extrem-Loading) verdrückt hatte, aber für einen Lauf am Morgen sollte man unbedingt auch frühstücken. Schließlich waren ja seit dem Abendbrot auch schon wieder gute 10 Stunden vergangen! Nach dem Frühstück ein erster Test in Sachen „ISG-Gelenk“. Leider erfolglos. Muskulatur noch zu verspannt. Okay – weiter im Plan. Zähne putzen und duschen und dann war ich fein für meinen ersten Halbmarathon.

Jetzt waren noch einige organisatorische bzw. logistische Kleinigkeiten zu erledigen. Das Wichtigste war, meinen Timing-Chip in die Schnürsenkel meines rechten Laufschuhs zu frickeln. Der linke Laufschuh war schon besetzt, hier sollte später mein Laufsensor seinen gewohnten Platz finden. Als nächstes mussten meine Laufgetränke vorbereitet werden. Mein Schwiegervater sollte für meinen ersten Halbmarathon mein „Laufcoach“ sein. Mit ihm hatte ich vereinbart, dass er sich bei den Kilometern 10 und 15 positioniert, um mir jeweils eine Trinkflasche zu geben. Da ich meinen ersten Halben mit maximaler Intensität laufen wollte, wollte ich natürlich keine Zeit an den Verpflegungsstationen verplempern oder hier sogar noch eine Gehpause einlegen. Zudem wusste ich aus diversen Laufberichten anderer Läufer/innen, dass es selbst bei einem Lauftempo von 6 min/km noch sehr schwierig ist, aus einem Plastik- oder Pappbecher zu trinken, ohne die Hälfte dabei zu verschütten.

Also hatte ich mir am Vortag zwei 0,5-Liter-Flaschen „Hohes C“ gekauft, und zwar diese, mit dem Trinkventil. Deren Inhalt habe ich mir dann auch noch am Vortag einverleibt und hatte somit zwei Trinkflaschen für meinen Lauf. Der Knackpunkt bei der Sache war ja der, dass ich die Flaschen nach dem Trinken während des Laufs dann einfach an den Straßenrand werfen wollte. Deshalb sollten es natürlich nicht unbedingt meine ansonsten verwendeten Trinkflaschen von Powerbar sein. Ich wollte ja meinem Schwiegervater nicht noch zumuten, nach meinen weggeworfenen Flaschen zu suchen.

Okay – welcher „Zaubertrank“ kam nun in meine Trinkflaschen. Während der Vorbereitungszeit hatte ich auf meinen langen Läufen gute Erfahrungen mit dem Powerbar Energize Isotonic Sports Drink gemacht. Ein Pülverchen, welches man mit normalem (stillem) Mineralwasser anrührt. Schmeckt wirklich lecker (vor allem „Lemon“) ist super in der Löslichkeit (kein Shaker erforderlich) und hat alles drin, was man als Ausdauersportler braucht. In jede meiner zwei Flaschen kamen also 300ml davon. Zusätzlich rührte ich mir auch noch mal 500ml für die Zeit vor dem Start an.

7.30 Uhr: Rucksack packen (Trinkflaschen, Startnummer, Sicherheitsnadeln, Digicam, Brustgurt, Laufsensor). Anziehen – kurze Laufkleidung, Jogginganzug drüber. Noch mal schnell auf den Boden legen und versuchen mich mit meinem ISG-Gelenk zu versöhnen. Mist – wieder Fehlanzeige! Verabschiedung von Frau, Sohn und Tochter. Und Abmarsch. Start war am Wiener Platz im Kölner Stadtteil Mülheim – hierhin konnte ich zu Fuß gehen.

8.00 Uhr: Am Wiener Platz angekommen. Schnell meinen Rucksack in der Mülheimer Stadthalle verstaut und dann raus in den angrenzenden Stadtpark zum Aufwärmen. Dafür muss genügend Zeit sein! Gut – man könnte jetzt meinen, wozu bei einem Halbmarathon aufwärmen. Bei 21,1 km habe ich doch genügend Zeit, warm zu werden. Nein! Aufwärmen ist bei Wettkämpfen absolut Pflicht! Auch wenn ich nur mit gemäßigtem Tempo loslaufen sollte, laufe ich nicht allein. Meist geht es gerade auch am Start zwischen den Läuferinnen und Läufern etwas ruppiger zu. Hunderte oder gar tausende Läufer/innen bewegen sich gleichzeitig in eine Richtung, auf manchmal nicht gerade breiter Strecke. Jeder versucht sich jetzt eine gute Ausgangsposition zu erlaufen. Da muss man mitunter schon mal blitzartig einem/r anderen Läufer/in oder einem sonstigen Weghindernis ausweichen. Und hierauf sollte die Muskulatur vorbereitet sein. Also – Aufwärmen!

Ich lief mich ca. 15 Minuten ganz locker ein und machte im Anschluss noch ein paar Dehnübungen, wobei ich das Dehnen vor dem Laufen nicht übertreibe. Ausgiebig gedehnt wird nach dem Laufen. Mein ISG-Gelenk stand aber trotz dem „Anschwitzen“ noch immer auf Kriegsfuß mit mir. So langsam machte ich mir doch ein wenig Sorgen, ob ich den Lauf überhaupt durchstehen könnte.

8.25 Uhr: Ich treffe mich vor der Stadthalle mit meinem Schwiegervater. Mein „Laufcoach“ ist mit dem Fahrrad gekommen und wird auch mit diesem die vereinbarten Getränkeübergabepunkte ansteuern. Wir gehen zusammen in die Stadthalle. Ich lege mich etwas abseits vom allgemeinen Trubel ein letztes Mal auf den Boden und versuche das ISG-Gelenk einzurenken. Es geht nicht. Nichts zu machen. Okay – sei es drum – alles oder nichts. Jogginganzug aus, Brustgurt umgeschnallt, Laufsensor am Schuh befestigt, Startnummer ans Laufshirt geheftet, Rucksack mit Jogginganzug und Trinkflaschen an Schwiegervater übergeben – fertig! Jetzt noch schnell ein paar Fotos und raus an den Start.

8.40 Uhr: Ich hatte mich von meinem Schwiegervater verabschiedet und gehe die letzten Meter bis zur Startzone. Da ertönt die Stimme des Laufmoderators durch die Lautsprecher: „Aus organisatorischen Gründen verschiebt sich der Start um 15 Minuten.“. Mist! Ich drehe auf dem Haken um und schaue nach meinem Schwiegervater. Dieser besteigt gerade sein Rad, um sich zum ersten vereinbarten Treffpunkt bei Kilometer 10 zu begeben. In letzter Sekunde hört er mein Rufen und hält inne. Puh – Glück gehabt! Ich ziehe noch einmal meine Jacke an und laufe in den Park. Jetzt bloß nicht auskühlen! Schwiegerpapa wartet auf mich. Wirklich ein Top-„Laufcoach“!

8.55 Uhr: Wir begeben uns abermals in Richtung Startzone. Und als würde mein erster Halbmarathon unter einem schlechten Omen stehen, verkündet der Moderator, dass der Start erneut um 15 Minuten verschoben wird. Diesmal liegt es daran, dass ein Lieferant auf dem Weg zu einer Verpflegungsstation einen Unfall hatte und deshalb die Station noch nicht ordnungsgemäß eingerichtet ist. Nun gut – was will man machen. Solche Dinge können eben passieren. Trotzdem macht sich allmählich ein hörbarer Unmut im Läuferfeld breit. Besonders unangenehm ist es mittlerweile für die Läufer, die sich relativ früh in die direkte Startzone aufgestellt haben, um einen möglichst guten vorderen Startplatz zu bekommen. Trotz des schönen Wetters sind die morgendlichen Temperaturen noch recht frisch und die Startzone liegt zudem noch im Schatten. Nicht gerade angenehm, wenn man jetzt schon seit gut einer Viertelstunde nur in kurzen Laufsachen dort steht und nun noch einmal eine weitere Viertelstunde warten muss. Ich nutzte die Zeit, im noch einmal eine kleine lockere „Warmhalterunde“ zu drehen.

9.12 Uhr: Der Moderator verkündet uns die frohe Botschaft, dass der Start nun tatsächlich um 9.15 Uhr erfolgen wird und bittet alle Läufer/innen sich in die Startzone zu begeben. Jetzt wurde es also endgültig ernst! Jacke aus, Sitz von Brustgurt, Laufsensor und Startnummer checken. Laufsensor einschalten und dann gehe auch ich in die Startzone. Ich rufe meinem Schwiegervater noch zu: „Wir sehen uns an den Kilometern 10 und 15 und hoffentlich dann auch im Ziel!“.

9.14 Uhr: Ich stehe in der Startzone, zusammen mit über tausend Läuferinnen und Läufer. Soweit ich das Feld überblicken kann, stehe ich ziemlich am Ende. Okay – was soll’s – dann läufst Du gleich ein wenig nach vorn. Hoffentlich ist das Anfangstempo nicht zu schnell. Bis 5 min/km gehst Du mit, ansonsten „Bremse rein“ und abwarten.

9.15 Uhr: Die Musik aus den Lautsprechern wird lauter und lauter. Die Läuferschar fängt an zu klatschen und zu jubeln. Der Moderator zählt den Startcountdown von 5 herunter und die Menge zählt laut mit – 5, 4, 3, 2, 1 …. und dann ertönt unüberhörbar der Startschuss! Allmählich setzt sich das Läuferfeld in Bewegung. Irgendwann kann auch ich langsam anfangen zu gehen, ganz locker zu laufen und dann passiere ich die Startlinie. Ich drücke auf meine Pulsuhr. Jetzt geht es tatsächlich los!

Die ersten Meter verlaufen über den Vorplatz der Mülheimer Stadthalle, danach geht es in den angrenzenden Stadtpark. Ich schaue auf meine Uhr – die aktuelle Geschwindigkeit liegt um die 5:45 min/km. Nicht gerade schnell. Eigentlich war ich ja davon ausgegangen, dass das Anfangstempo ziemlich hoch sein wird, aber im Moment sah es eher anders herum aus. Ich wollte ja mindestens mit 5:30 min/km angehen. Leider boten die doch relativ engen Wege des Parks so gut wie keine Überholmöglichkeiten. Aber okay, dann musst Du später etwas mehr Gas geben. Also weiter im allgemeinen „Herdentrott“.

Nun kamen wir auf die erste Straße und es wurde merklich breiter. Für mich eine gute Gelegenheit, mein Tempo anzuziehen und mich nach vorn zu laufen. Also hoch auf 5:30 min/km und teilweise sogar auf 5:15 min/km. Mehr war aber zu diesem Zeitpunkt noch nicht drin, denn schon liefen wir wieder auf einem Fuß-/Radweg, welcher maximal 5 Läufer nebeneinander zuließ. Zudem rankten sich an den Wegrändern riesige Brennnesselstauden, mit denen man besser nicht in Berührung kam. Dann wieder „on the road“. Nun konnte ich abermals einige Meter nach vorn gutmachen, wobei das Läuferfeld noch immer dicht gedrängt war. Da fiel mir plötzlich mein ISG-Gelenk wieder ein. Was war da los? Glücklicherweise hatten sich meine Schmerzen im unteren Rücken verflüchtigt und der Körper lief soweit rund. Sehr gut!

5 KM: Die ersten 5 Kilometer waren also gelaufen. Ich schaue auf meine Uhr – durchschnittliche Pace 5:31 min/km. Okay – eigentlich das, was ich mir grundsätzlich für den Anfang vorgenommen hatte, aber irgendwie hatte ich auch das Gefühl, dass ich nun mal ein bisschen auf die Tube drücken könnte. Da sah ich die erste Verpflegungsstation. Ursprünglich wollte ich mir ja keinen Trinkbecher unterwegs aufnehmen, aber einmal live testen kann ja nicht schaden, dachte ich mir. Also griff ich mal zu solch einem Plastikbecher. Das Tempo war ja eh’ noch eher gemäßigt. Trotzdem war ein wirkliches Trinken absolut nicht möglich. Sobald man diese Becher auch nur ein bisschen fester in die Hand nimmt, drückt man sie unweigerlich zusammen und das ganze Wasser läuft über. Also bestätigte sich das, was ich im Vorfeld in den Laufberichten gelesen hatte. Ich warf den Becher dann auch wieder weg. Drei kleine Schlückchen hatte ich ihm abringen können, allerdings wäre das für eine richtige Flüssigkeitsaufnahme nicht ausreichend gewesen. Nun gut – Haken dran!

Ich fing nun an mein Tempo mehr und mehr zu steigern und lief die nächsten Kilometer im Schnitt zwischen 5:15 min/km und 5:00 min/km. Nun zog sich das Läuferfeld auch immer mehr auseinander. Das kam mir entgegen, denn so konnte ich mir immer die nächste voraus laufende Gruppe als „Zugpferd“ nehmen und versuchen aufzulaufen. Die Strecke führte mittlerweile über schöne Wald- und Wiesenwege. Das Wetter war prächtig – blauer Himmel, Sonne, kaum Wind und ca. 23°C. Ideales Laufwetter. Hin und wieder standen laufbegeisterte Zuschauer am Wegrand, die uns zujubelten und applaudierten. Schon ein tolles Gefühl, wenn man von wildfremden Leuten diese positive Resonanz erfährt!

Allmählich näherte ich mich der 10-Kilometer-Marke und somit dem ersten vereinbarten Getränkeübergabepunkt. Auf einmal höre ich jemanden laut meinen Namen rufen: „Mario, Mario – hier ….!“. Ich schaue an den Streckenrand und sehe dort im letzten Augenblick meinen Schwiegervater stehen, mit ausgestrecktem Arm mir meine erste Trinkflasche entgegenhaltend. Instinktiv greife ich zu und nehme ihm die Flasche ab. Was für ein Flaschenwechsel! Spektakulär! 😉 Ich höre meinen Schwiegervater nur noch rufen: „Ich konnte mit dem Fahrrad nicht zu Kilometer 10 durch ….!“. Ich musste innerlich ein bisschen darüber schmunzeln, wie ernst er seine Aufgabe nahm. Echt Klasse! Okay – jetzt aber trinken! Durst hatte zwar eigentlich keinen, aber besser vorsorgen, als hinterher einzubrechen. Also trank ich in kleinen Schlucken die kompletten 300ml. Die leere Flasche behielt ich allerdings noch ein wenig, um sie nicht einfach irgendwo in den Wald zu werfen. Ja – ich habe auch in diesem Moment noch an unsere Umwelt gedacht.

10 KM: Und da kam sie auch schon – die 10-Kilometer-Markierung mit offiziellen Streckenposten. Also warf ich als erstes hier meine Trinkflasche weg. Ein Blick auf die Uhr – knapp unter 54 Minuten und 5:24 min/km im Durchschnitt. Nun überlegte ich kurz. Wenn Du dieses Tempo hältst, bleibst Du in jedem Fall unter 2 Stunden am Ende. Wie fühlst Du Dich? Gut – okay! Dann probier’ doch mal, was noch geht, oder? Also – warum nicht – okay!

Ich ziehe mein Tempo also noch mal um einiges an und laufe nun im Schnitt mit 4:55 min/km. Ein wirkliches Läuferfeld gibt es zu dem Zeitpunkt nicht mehr. Man trifft nur noch auf kleinere Laufgruppen oder einzelne Läufer/innen. Ich laufe, laufe und laufe. Die Kilometermarken 11 bis 14 kommen mir sehr schnell vor. Doch ich bin mir nicht sicher, ob ich dieses Tempo bis ins Ziel halten kann.

15 KM: Die 15-Kilometer-Markierung naht. Zack – und vorbei! Was sagt die Uhr? Knapp unter 1 Stunde und 20 Minuten. Ich fing unweigerlich wieder an zu rechnen. Wenn Du dieses Tempo weiter läufst, kommst Du fast mit 1:50 h ins Ziel. Vielleicht kannst Du Dich noch etwas steigern, um die 1:50 h echt zu knacken? Wie fühlst Du Dich? Puh – langsam wird es hart! Ich war die letzten 10 km in gut 50 Minuten gelaufen. Für mich im Moment schon eine sehr respektable Zeit. Wenn ich ehrlich bin, hatte ich aber nicht wirklich das Gefühl, dieses Tempo noch 6 km halten zu können, geschweige es noch zu steigern. Was nun? Ich entschied mich dafür, das Tempo so lang wie möglich auf diesem Niveau zu halten. Vielleicht sollte es ja am Ende irgendwie doch noch zu einem kleinen Endspurt reichen ….

Nachdem der Kilometer 15 nun passiert war, musste auch gleich mein Schwiegervater am Streckenrand auftauchen, um mir die zweite Trinkflasche zu geben. Und da war er auch schon. Diesmal ging der Flaschenwechsel ganz easy vorüber. Noch ein paar aufmunternde Worte vom Schwiegerpapa und wir sollten uns nun im Ziel wieder sehen. Mittlerweile hatte ich Durst! Nur fiel es mir gar nicht so leicht bei diesem Tempo zu trinken, da meine Atmung nun wesentlich schneller war. Also immer nur ganz kleine Schlückchen. Und letztendlich ging es dann so auch gut.

Mittlerweile befand ich mich wieder auf meinen bekannten Trainingswegen und passierte die Kilometer 16 bis 19. Noch immer lag mein Tempo im Schnitt bei 5:00 min/km, wobei ich merkte, dass ich mehr und mehr im „roten Bereich“ lief. Es fiel mir zu diesem Zeitpunkt wirklich sehr schwer dieses Tempo noch zu halten. So langsam merkte ich, wie sich mein Körper mehr und mehr verkrampfte und eigentlich schon längst aufhören wollte zu laufen. An eine Steigerung war nun nicht mehr zu denken. Jetzt kamen mir schon 100 Meter wie eine halbe Ewigkeit vor. Und dann kommen mir auch noch die ersten Läufer wieder entgegen, die den kompletten Marathon durchliefen. Die hatten bereits im Start-/Zielbereich die Wendemarke umlaufen und waren nun bereits zum zweiten Mal auf dem 21,1km-Rundkurs. Das Ganze noch einmal! Wahnsinn! Respekt!

Doch nun kam auch noch einmal meine Motivationsspritze! Kurz nach Kilometer 19 erblickte ich am Streckenrand meine Familie. Meine Frau, meinen Sohn (2 Jahre), meine Tochter (1 ½ Monate), meine Schwiegermutter, meinen Schwager und dessen Freundin. Von dieser Situation hatte ich in so vielen Trainingsläufen geträumt. Ich laufe in Richtung Ziel und meine Familie feuert mich an! Ich kam mir vor, wie ein angehender Olympiasieger! Von weitem hörte ich schon meinen Sohnemann rufen: „Paaaapaaaa nell, Paaaapaaaa ….!“. Ich lief auf ihn zu und strich ihm im Vorbeilaufen mit der Hand übers Haar. Hier war ICH der Sieger! Das war Emotion pur!

Nun ging es auf die letzten 2 Kilometer. Noch einmal Zähne zusammenbeißen! Alles lief jetzt wie im Rausch ab. Ich war völlig erschöpft. Mein Kopf tat weh, der Mund war trocken, irgendwie schmerzte der ganze Körper. Aber ich war nicht verletzt und konnte noch laufen. Also mußte ich da jetzt durch. Wenn ich zu diesem Zeitpunkt aufgegeben hätte – würde ich wahrscheinlich nie mehr einen Halbmarathon laufen. In dieser Situation stellst Du Dir dann schon mal die Frage: WARUM DAS ALLES? Hätte ein normaler Spaziergang mit Deiner Familie nicht auch gereicht? 😉 Aber im tiefsten Innersten brauchst Du diesen Laufstreß, diese Erschöpfung, diese Schmerzen – denn Du weißt, am Ende gibt es nix geileres als das Gefühl, es geschafft zu haben, es Deinem inneren Schweinehund mal wieder so richtig gezeigt zu haben, Sieger über alle vorherigen Zweifel zu sein! Und dafür läufst Du, und läufst, und läufst ….

Kurz nach Kilometer 20 ging es wieder zurück in den Stadtpark. Hier hatten sich mittlerweile unzählige Schaulustige versammelt. Noch gut 1 Kilometer bis ins Ziel! Ich riss mich noch einmal zusammen und zog das Tempo an. Ich schaute ein letztes Mal hastig auf die Uhr – und konnte gerade noch so eine 48 erkennen. Also lag meine Zeit so bei 1:48 h im Moment. Damit war die 1:50 h am Ende schon passé. Aber das war in diesem Moment auch egal. Nur noch ins Ziel! Und dann sah ich die letzte Kilometer-Markierung. Kilometer 21! Und dahinter konnte man auch schon das Ziel erkennen. Eine Samba-Gruppe trommelte am Streckenrand. Viele Zuschauer und Fotografen säumten nun die Strecke. Und dann – vorbei an Kilometer 21. Noch 100 Meter. Oberhalb des Ziels konnte ich nun mehr und mehr die große Stoppuhr erkennen. 1:56 h war angezeigt. In jedem Fall also unter 2 Stunden! Und dann überquerte ich die Ziellinie. 1:56:29 h* zeigte die Stoppuhr an. Über die Lautsprecher hörte ich, wie mein Name aufgerufen wurde. Was für ein Gefühl! Geschafft! Ich hatte es wirklich geschafft! Im Zielbereich wartete auch schon mein Schwiegervater auf mich. Ich holte mir noch schnell meine Teilnehmermedaille ab und ging dann zu ihm. Ich war fix und fertig! Alles tat mir weh! Aber trotzdem war ich überglücklich, es tatsächlich geschafft zu haben. Ich war meinen ersten Halbmarathon gelaufen! Super!

Nun hätte ich eigentlich locker Auslaufen und ein paar Dehnübungen absolvieren sollen. So hatte ich es mir zumindest vorgenommen. Aber ich wollte einfach diesen Glücksmoment nach meinem ersten offiziellen Halbmarathon bis zum Letzten auskosten. Mittlerweile waren auch meine Frau mit unseren Kindern und meine Schwiegermutter im Zielbereich eingetroffen. Also dachte ich mir – okay für dieses Mal schenkst Du Dir das Auslaufen und die Dehnübungen. Wir liefen gemeinsam zu Fuß zurück zu unserem zu Hause und ich verschwand erstmal in der Badewanne zu einem schönen und ausgiebigen Entspannungsbad. Herrlich! Danach eine große Portion Haferflocken mit Eiweißpulver, Kiwi, Apfel und immer wieder Mineralwasser. Und dann ab ins Bett. Schlafen! Doch bevor ich einschlief drehte ich noch einmal im Liegen mit angestellten Beinen meine Hüfte nach rechts und nach links. Und „Knack“ – mein ISG-Gelenk war wieder „eingerastet“. Nun war wirklich alles gut!

* Bruttozeit (Nettozeit 1:53:49 h)