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Laufbericht: Im tropischen Regenwald ….

fand in diesem Jahr wohl der 13. Kölner Halbmarathon statt. Tropical Heat – und ich mitten drin!

5.30 Uhr klingelt der Wecker. Ein erstes Strecken im Bett verrät mir – boah, das Krafttraining vom Freitagabend war mal wieder sehr effektiv! Speziell die linke Wade hat es ein bisschen zu arg erwischt. Da muss ich mich wohl heute etwas länger einlaufen. Dann lausche ich kurz – Mist – der Regen prasselt auf die Schlafzimmerfensterbank. Die Nacht war zudem sehr kurz, da in direkter Nachbarschaft ein Gartenfest gefeiert wurde, und man dort bis gegen 3.00 Uhr morgens meinte, alle umliegenden Häuser möchten bestimmt mitfeiern. Vielen Dank!

Für einen kurzen Moment komme ich ins Überlegen – soll ich mich einfach wieder hinlegen und den Lauf ausfallen lassen? Zum ersten Mal richtig kneifen? NEIN – das wäre zu einfach! Also raus aus der Kiste und los ….

Kurz nach 7.00 Uhr mache ich mich dann zu Fuß auf den Weg zur Bushaltestelle. Mittlerweile hat es aufgehört zu regnen und das Thermometer zeigt 20°C an. Eigentlich gute Voraussetzungen für einen schnellen Lauf. Die Wade hatte ich bis dahin ordentlich mit Franzbranntwein getränkt, so dass es auch an dieser Stelle wieder rund lief.

Bus, Bahn, noch ein bisschen Fußweg und schon war ich da. Austragungsort war das NetCologne-Stadion Köln, welches sich direkt neben dem RheinEnergie-Stadion des 1. FC Köln befindet. Der Lauf selbst war so ausgelegt, dass man auf einem 7km-Rundkurs mit Start und Ziel im NetCologne-Stadion läuft. Offizielle Wertungen erfolgen nach 14km, 21km und 28km. Im Lauf selbst kann man entscheiden, nach welcher Distanz man durchs Ziel läuft. Ansonsten wird einfach am Ziel vorbei wieder auf die Strecke gelaufen und die nächste 7km Runde absolviert.

Ich hatte 21km in einem 4:40er-Schnitt auf dem Plan, was, bei leichter Endbeschleunigung auf dem letzten Kilometer, einen Zieldurchlauf von knapp unter 1:38h bringen sollte. Eine Woche zuvor bin ich am Samstagabend im Training noch 19km bei teilweise strömenden Regens mit einer 4:41er-Pace gelaufen. Also ging ich davon aus, dass die Zielsetzung für diesen Lauf erreichbar sein sollte. Zumal ich mich hier ja immer im Sog des Läuferfeldes befinden würde.

Doch schon beim Einlaufen kamen mir erste leichte Zweifel auf. Die Wolkendecke war mittlerweile immer mal wieder aufgerissen und hatte die Sonne durchgelassen. Die Temperatur war dadurch spürbar gestiegen. Durch die Sonnenstrahlen fing nun die Feuchtigkeit des Bodens sich an zu verflüchtigen, was mehr und mehr ein regelrechtes „Treibhausklima“ mit sich brachte. Bereits nach den ersten lockeren Einlaufminuten war ich pitschnass geschwitzt. Auch die Atmung fiel irgendwie schwerer als normal. Ein erstes Antesten der geplanten Wettkampfgeschwindigkeit sagte mir, dass das heute kein „Kindergeburtstag“ werden würde. Aber gut – warten wir mal ab. Also auf zur Startzone und schauen, was geht.

Der Stadionsprecher rief die Läufer/innen schon gegen 9:45 Uhr dazu auf, sich im Startkorridor aufzustellen, damit das Gedränge später nicht zu groß sei. Ich begab mich dann auch sofort in Richtung Startlinie und konnte pünktlich um 10.00 Uhr aus vorderster Front auf die Strecke gehen. Es wurde natürlich gleich ordentlich Dampf gemacht. Anfangstempo irgendwo zwischen 3:45min/km und 4:00min/km. Nach gut 500 Metern hatte sich die Spitzengruppe erwartungsgemäß abgesetzt und ich lief mit einem 4:15er-Schnitt im „Nachtrupp“ einfach mal mit. Zu dem Zeitpunkt fühlte ich mich fit und war (noch) guter Dinge.

Der erste Kilometer ging mit 4:24min zu Buche. Etwas zu schnell für das geplante Ziel. Also ließ ich mich ein wenig zurück fallen und pendelte mich bei 4:35min/km ein. Allerdings merkte ich jetzt, dass die Streckenführung unzählige 90°-Kurven mit sich brachte, was für den gleichmäßigen Laufrhythmus eher hinderlich ist. An jeder dieser „Ecken“ etwas runter mit dem Tempo, sauber herum und wieder aufs Gas. Das kostet auf Dauer Kraft! Zumal der Boden teilweise noch recht glitschig war und man immer Gefahr lief, in den diesen engen Kurven wegzurutschen.

Irgendwo um den Kilometer 3 ging es dann in den „Tropenwald“. Hier waren die Wege teilweise noch richtig nass! Und ein Klima, wie in der Dampfsauna! Brutal! Dann auch noch leichte, aber langgezogene Steigungen – echt fies! Mein Tempo lag nun teilweise sogar knapp über einem 5er-Schnitt! Spätestens jetzt war mir klar – das wird heute knüppelhart!

Die erste 7er-Runde konnte ich in 32:39min absolvieren. Letztendlich mit einem 4:40er-Schnitt doch recht flott, was aber auch daran lag, dass mein lieber Forerunner unter dem dichten Blätterdach fortwährend keine verlässlichen Werte anzeigte und ich dadurch viel zu schnell lief. Denn immer, wenn ich wieder auf einen freien Streckenabschnitt kam, stieg die Pace auf den eigentlichen Wert an und lag dann teilweise um die 4:00. Das war allerdings zu dem Zeitpunkt viel zu schnell und kräftezehrend und sollte sich ab Kilometer 10 gnadenlos rächen.

Mittlerweile wieder im „Tropenwald“ spürte ich, wie allmählich die Luft raus war. Die 1km-Zwischenzeiten wurden immer langsamer. Mein Schnitt lag jetzt schon jenseits der 4:40min/km und ich hatte noch gute 11km vor mir. Schneller ging nicht mehr, also blieb nur noch Ergebnisverwaltung bzw. „Schadensbegrenzung“. Mit jedem weiteren Kilometer wurde ich noch langsamer. Diese unerträgliche Schwüle und diese ständigen engen Kurven kosteten ordentlich „Körner“. Aber nicht nur bei mir! Man sah allen Läufern die Strapazen dieses Laufes an. Kampf – purer Kampf! Für jeden!

Bei Kilometer 13 überlegte ich dann –  was machst Du? Tempo rausnehmen und die 21km vielleicht mit einem 4:45er- oder 4:50er-Schnitt zu Ende bringen oder noch mal das Letzte mobilisieren und mit 4:40 auf’m Tacho bereits nach 14km durchs Ziel. Ganz ehrlich – die letzten 7km wären nur fürs Ego gewesen. Aber das war mir zu dem Zeitpunkt sch***egal! Das war kein Tag für Bestzeiten! Also zog ich das Tempo noch einmal etwas an, sammelte noch ein paar Läufer/innen vor mir ein und „flog“ erleichtert dem Ziel entgegen.

14km in 1:06:44h@4:40min/km und aus! Ende! Schluss mit der Quälerei für heute!

Ich taumel auf dem Rasen des Stadions aus und nehme sofort Kurs auf einen Getränkestand. Erstmal zwei Becher Flüssigkeit! Dann drehe ich mich noch einmal in Richtung Ziel um und versuche kurz zu analysieren, was da gerade passiert ist. „Du bist tatsächlich schon 7km vorher raus!“. Ich weiß in dem Moment nicht so genau, ob ich eine vernünftige und realistische Entscheidung getroffen habe oder einfach nur keinen Bock mehr hatte. Aber ich nehme es vorerst einfach mal so hin.

Der Rest ist schnell erzählt. Da ich ja nun eine gute halbe Stunde früher im Ziel war als geplant, bleibt mir noch einiges an Zeit bis meine Familie mich abholen wird. Also ziehe ich mir ein trockenes Shirt an und ziehe auf dem Stadionrasen meine Auslaufbahnen. Dabei sehe ich immer wieder die von den Strapazen gezeichneten Läufer/innen, die ins Stadion einlaufen. Viele von ihnen haben jetzt noch immer eine Runde oder sogar zwei Runden (28km-Distanz) vor sich. Und jetzt wird mir immer klarer, dass mein vorzeitiger Ausstieg doch richtig war. Letztendlich war es ein Lauf aus dem vollen Training heraus. Kein Tapering oder dergleichen. Nach einer Intervalleinheit am Montag, einem 8km-Tempolauf am Mittwoch und einem ziemlich knackigen Krafttraining vom Freitag, war für Sonntag bei diesem Klima einfach nicht mehr drin. Jeden Trainingslauf hätte ich unter diesen Umständen auch vorzeitig beendet.

Ausdehnen. Kurzes Telefonat mit meiner Frau, um den genauen Abholpunkt zu vereinbaren und kurz darauf sitze ich mit der Familie im Auto. „Ich habe fertig“ für dieses Mal.

Den restlichen Sonntag war nicht mehr allzu viel los mit dem Papa, da der Lauf auch noch ordentlich nachgewirkt hat und die Temperaturen auch im weiteren Tagesverlauf auch nicht wesentlich „humaner“ wurden. Allerdings hatte ich dann am späten Abend noch ein schönes Erlebnis. Die offiziellen Laufergebnisse waren bereits von Mika-Timing online geschaltet. Und siehe da – in der Kategorie „14km“ habe ich doch tatsächlich in der AK35 den 4. Platz von 40 erreicht! Im Gesamtklassement der 14km bin ich auf Platz 32 von 333 gelaufen. Besonders über den 4. Platz in meiner Altersklasse habe ich mich gefreut. So nahm der Tag doch noch ein versöhnliches Ende!

Nun liegen noch gut 4 Wochen Training vor mir, bis es dann am 02.10.2011 beim Sparkasse KölnBonn Halbmarathon quasi „um die Wurscht geht“. Spontan habe ich mich noch für eine weitere „Generalprobe“ entschieden. Am 18.09.2011 geht’s für 21,1km beim Lauf „Rund um den Fühlinger See“ noch einmal auf die „Teststrecke“. Dann wird aber durchgelaufen! 😉

Ergebnisse „13. Kölner Halbmarathon“: http://results.frielingsdorf-datenservice.de/2011/koelner_hm/