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Laufbericht: Mein 2. Halbmarathon

03.10.2010 – es ist soweit! Der 2. Halbmarathon meines Lebens will gelaufen werden. 6 Wochen gezielte Vorbereitung liegen hinter mir. Der Tag der Abrechnung!

6.00 Uhr klingelt der Wecker. Ein erster Blick aus dem Fenster – na Klasse – alles naß. Regnet es etwa? Sollte doch so ein Superwetter werden. Naja – egal …. . Kurz mal bei Twitter und Facebook posten, dass ich so fein aufgestanden bin und weiter zum Essenfassen. 😉

Frühstück. Schwarzbrot mit Nutella, eine Banane und eine Tasse Kaffee schwarz mit Süßstoff. Dann noch eine 400’er-Magnesiumtablette und gut. Ab jetzt nur noch trinken. Aber 2 Fruchtriegel lege ich trotzdem noch zu meinen Sachen. Man weiß ja nie.

Anschließend Duschen, Anziehen, Rucksack packen, Start-Nr. ans Laufshirt heften ….. . Abschied von Familie und ab zur Bahn. Mit der Linie 3 in Richtung Messe …..

Gegen 7.45 Uhr stehe ich an der Bahnhaltestelle vor der Lanxess-Arena. Da kommt die Nachricht vom „Laufmeister“ Kay-Uwe Seiferth auf mein Handy. Er ist bereits da. Kay-Uwe ist leidenschaftlicher Läufer und ein „Laufmonster„. Er möchte ebenfalls den Halbmarathon in Köln laufen. Ich kenne ihn bislang nur aus dem Internet. Er bloggt wie ich regelmäßig seine Lauferleb- und -ergebnisse. Nur läuft er in einer anderen Liga als ich. Eine Woche vorher wollte er beim Berlin-Marathon die 42,2 Kilometer zum ersten Mal unter 3 Stunden laufen! Leider ist ihm das wegen Achillessehnenproblemen nicht ganz gelungen. 3:07h sind’s am Ende geworden. Was für eine Hammerzeit! Aber lest dazu selbst in seinem Blog!

Kay-Uwe hatte mir schon vor einiger Zeit angeboten, mich beim Kölner Halbmarathon ein bisschen mit zu ziehen. Ich war mir aber nach seinem Berlin-Erlebnis nicht ganz sicher, ob er dafür noch die Nerven hatte. Doch dann erhielt ich am Samstag eine Nachricht von ihm, dass sein Angebot nach wie vor steht. Hierüber habe ich mich echt gefreut! Super! Er schlägt mir vor, die 1:45h in Angriff zu nehmen. Wow – das hieße, eine Verbesserung meiner Laufzeit aus meinem 1. Halbmarathon um gut 9 Minuten! War ich schon so weit? Ich hatte mir eigentlich zum Ziel gesteckt, möglichst unter 1:50h zu laufen. Und nun noch einmal 5 Minuten schneller!? Aber hey – warum nicht!? Einen Versuch war es allemal wert! Und mit Kay-Uwe als „Pacemaker“ sollte ja einiges möglich sein! Also willige ich ein und wir verabreden uns für Sonntag. Sehr schön!

Nachdem wir uns vor dem Deutzer Bahnhof getroffen haben, gehen wir gemeinsam zur Kleiderabgabe. Dabei haben wir Gelegenheit zu einem ersten Gespräch. Ich stelle schnell fest, dass Kay-Uwe ein wirklich netter Kerl ist. Na das wird doch ein schöner Lauf! Nach dem Umziehen gehen wir zum Startbereich. Es ist mittlerweile 8.30 Uhr. Noch 15 Minuten bis zum Start. Wir laufen gemeinsam eine „Warm-Up-Runde“. Unzählige Läufer/innen sind in den Straßen und Gassen um den Startbereich herum unterwegs. So langsam kommt Lampenfieber in mir auf.

Dann halten wir uns direkt neben dem Startbereich auf. Ich bin dem „blauen Block“ zugeteilt. Kay-Uwe dem „roten Block“. „Rot“ wie „Vorsicht – schnelle Läufer!“. Aber er entschließt sich, mit mir in den „blauen Block“ zu kommen, um mich von Anfang an unter seine Fittiche zu nehmen. Ich sage ja – ein feiner Kerl!

Also steigen wir seitlich über die Barriere und stehen nun im Startblock. Ziemlich weit vorn sogar – super! Jetzt steigt mein Puls. Nur noch ein paar Minuten und es geht los. Abrechnung! Schauen, ob sich die Anstrengungen der letzten Wochen auch bezahlt machen. Das ist schon ein eigenartiger Moment. Du weißt, Du wirst nicht Erster, aber auch nicht Letzter werden, sondern irgendwo mittendrin landen. Es werden auch nicht viele von Deinem Laufergebnis Kenntnis nehmen. Dein Name wird halt irgendwo in einer schier endlosen Liste neben einer bestimmten Zeit stehen. Eigentlich die besten Voraussetzungen, um relaxt und locker zu sein. Das Wetter ist mittlerweile traumhaft. Also wozu jetzt noch stressen? Aber genau das Gegenteil ist der Fall. Ich bin aufgeregt und hibbelig als müßte ich gleich vor all den tausenden Läufern/innen eine Arie singen. Ich glaube, wenn ich jetzt das kleine 1×1 aufsagen müßte, käme ich schnell in Schwierigkeiten. Aber trotzdem ist es ein geiles Gefühl! Ich bin dabei! Ich bin ein Teilchen eines riesigen Puzzles! Und wenn ich alles richtig mache, kann ich heute eine richtig gute neue Bestzeit erlaufen! Sch**ße – ist das geil! Und nun los – ich will jetzt endlich laufen!

Und da ertönt auch schon der Countdown. Wir zählen alle zusammen von 10 herunter – …. 6, 5, 4, 3, 2, 1 …. . Ich laufe! Über die Startmatte – Uhr in Gang setzen. Wo ist Kay-Uwe ….. ach da ….. okay – alles gut! Wir ziehen das Tempo sofort auf einen 5’er-Schnitt. Das Läuferfeld kommt gut in Trab und man kann flüssig laufen. Sehr gut! Die Taktik sieht so aus – bis Kilometer 10/11 im Schnitt mit 5 min/km und dann bis auf 4:45 min/km anziehen, so lange, wie meine Beine das hergeben. Für Kay-Uwe ist das Ganze ja nur ein lockeres Läufchen – quasi ein letztes Auslaufen nach Berlin.

Die ersten Kilometer verlaufen gut. Fast schon zu gut, so dass wir immer wieder unweigerlich in einen Schnitt unter 5 min/km geraten. Aber ich fühle mich gut und gehe mit. Irgendwann nach einiger Zeit treffen wir auf Heiko Bartlog – ebenfalls ein Laufblogger und -twitterer. Heiko war lange Zeit stark erkältet und versucht sich in Köln so allmählich wieder in Form zu laufen. Sein nächstes großes Event ist der Marathon in Frankfurt. Er begleitet uns eine Weile und macht ein paar Fotos mit seinem Handy. Hoffe, die sind was geworden! 😉 Nach ein paar gemeinsamen Kilometern läßt uns Heiko wieder ziehen, um nicht gleich wieder zu viel zu riskieren. Aber schön, sich so auch mal persönlich kennengelernt zu haben.

Wir haben mittlerweile die Wendemarke am Ebertplatz passiert und laufen „auf den Ringen“ wieder zurück zum Rudolfplatz. Unser Tempo liegt noch immer meist knapp unter 5 min/km. Alles verläuft soweit nach Plan, aber so allmählich wird es hart für mich. Wir liegen jetzt irgendwo zwischen Kilometer 10 und 15. Eine echte Temposteigerung ist nicht drin. Ich möchte die aktuelle Geschwindigkeit lieber noch so lang wie möglich halten. Kay-Uwe ist einverstanden. Er läuft noch immer völlig locker und leicht vor mir her. Unglaublich! Da naht wieder eine Verpflegungsstation. Kay-Uwe bietet mir an, dass er für uns zwei etwas zu trinken holt. Ich solle einfach mal weiterlaufen und er kümmert sich um alles. Einerseits könnte ich schon ein paar Schlückchen Wasser vertragen, andererseits ist es mir schon fast peinlich. Ich komme mir vor, wie ein Rentner, der mit seinem Zivi läuft. 😉 Aber okay – für Kay-Uwe geht es eh‘ um nix und für mich um eine neue Bestzeit. Also gut – Herr Laufmeister – ich hätte dann gern ein Wasser! 🙂

Auf den „Ringen“ ist trotz der noch recht frühen Stunden eine Menge los. Und schon laufen wir über den Rudolfplatz. Nun geht es in Richtung Ziel! Ich bin am kämpfen, aber wir halten den Schnitt. Ich glaube, ohne Kay-Uwe hätte ich schön seit einiger Zeit das Tempo etwas rausgenommen. Aber so geht es doch noch recht gut. Es ist leider nur etwas deprimierend, dass es bei ihm so locker aussieht und ich mittlerweile ordentlich schnaufe. Naja – aber ich will ja hier auch nicht den Schönheitspreis gewinnen ….

Wir biegen in die Fußgängerzone ein und laufen auf die Dom-Platte zu. Abbiegen und weiter in Richtung Gürzenich und Heumarkt. Zuvor noch über die Spendenmatte. 3,00 Euro werden hier von jedem Läufer einbehalten. Da bin ich doch dabei! Für einen guten Zweck immer!

Gleich kommt der Heumarkt. Hier wartet wieder mein größter Fan – mein Sohnemann! 🙂 Zusammen mit Oma und Opa fiebert er dem Papa entgegen. Und da sehe ich sie auch schon am Streckenrand stehen. Nur leider haben sie mich wohl noch nicht erwartet, denn sie schauen irgendwo in der Gegend herum. Ja – ihr Lieben – der Papa macht heute ernst! Im letzten Moment erblicken sie mich. Ich streichel meinem Söhnchen noch kurz über den Kopf und schon bin ich vorbei. Wir sehen uns dann im Ziel ….

Nun geht es über den Heumarkt. Alles noch nach Plan. Die sub1:45h ist zu dem Zeitpunkt noch machbar. Wir laufen auf die Deutzer Brücke. Diese ist bogenartig gebaut, das heißt, es geht nun leicht bergauf. Doch dieser leichte Anstieg fühlt sich an wie ein Ultra-Berglauf. Ich komme völlig aus dem Rhythmus und muß ordentlich Tempo rausnehmen. Ich schaue kurz auf die Uhr – 5:40 min/km! Nein! Kommt, ihr Beine – da muß doch noch was gehen. Kay-Uwe treibt mich an, aber ich habe nix mehr zu geben. Ich betreibe nur noch „Schadensbegrenzung“. Und die Zeit läuft und läuft – nur ich scheine förmlich auf der Stelle zu treten.

Wir erreichen den „Gipfel“ – ab jetzt nur noch bergab. Wieder schaue ich auf die Uhr – 1:44: …. h. Noch gut 500 Meter bis zum Ziel. Sch******ßeeeeee! Ich könnte mich schwarz ärgern! Das war sie – meine sub1:45h! Mit dieser Wut im Bauch ziehe ich das Tempo ein letztes Mal an und rase auf das Ziel zu. Auch wenn es für das eigentliche Projekt nix mehr bringt, aber es wird in jedem Fall eine neue Bestzeit. Und die soll so gut wie möglich werden!

Und da ist es – das Ziel! Über die Matte und auf die Uhr gedrückt – 1:46:11 h* – jawoll! Alte Bestzeit um über 7 Minuten verbessert – jaaaaaa ……. ! Supergeil! Aber jetzt geht auch nix mehr! Ich schleppe mich an irgendein Geländer neben dem Zieleinlauf, stütze mich auf und versuche Luft zu bekommen. Nur mal kurz durchatmen. Da höre ich auch schon mit bestimmendem Ton: „Gehen Sie dann bitte auch weiter und aus dem Zielbereich heraus!“. Ich drehe mich um, sehe eine „Ordnungshüterin“ des Veranstalters und denke nur: „Mädchen, lauf Du mal 21,1 Kilometer in 1:46:11 h – dann kannst Du mich gerne wieder ansprechen!“. 😉 Aber gut – sie macht ja auch nur ihren Job. Also raffe ich mich auf und gehe zu Kay-Uwe. Der steht völlig locker und grinst nur. Ja – nee – is‘ klar! 😉

Wir gehen zusammen in den Nachzielbereich. Erstmal etwas trinken. Eigentlich wollte ich mir kein kaltes Kölsch auf mein sensibles Kehlchen schütten, aber was soll’s. Schließlich muß ich ja mit meinem „Pacemaker“ auch mal auf meinen Erfolg anstoßen. Also holen wir uns ein alkoholfreies Reissdorf-Kölsch. Jetzt fühle ich mich richtig gut. Der ganze selbstgemachte Druck der letzten Wochen ist weg. Die neue Bestzeit ist eingefahren. Alles bestens!

Der Rest ist schnell geschrieben. Ab in den Umkleidebereich, Kleiderbeutel holen, umziehen, gemeinsam zurück gehen. Bei einem letzten Schwätzchen entdeckt Kay-Uwe auf einmal noch zwei Lauf-Blogger. Steffen von den „Runningfreaks“ und Marco von „Die Soulrunner„. Beide haben bereits den 10km-Lauf und den Halbmarathon in den Beinen und wollen sich nun noch auf die 42,2 km begeben. Das Ganze bildet den Kölner-Ultramarathon mit insgesamt 73 Kilometern. Wahnsinn! Wir stellen uns kurz vor und quatschen ein paar Sätze. Dann müssen die beiden aber auch schon zum Start. Alles Gute Euch zweien – ich habe für heute fertig! 🙂

Kay-Uwe und ich verabschieden uns nun auch. Er fährt mit der Bahn weiter, um am Barbarossaplatz seine Familie zu treffen. Ich telefoniere kurz mit meiner Frau und mache mich dann auch auf den Heimweg. Aber vorher schaue ich mir noch den Start des Marathons an. Ich stehe direkt neben der Startlinie und sehe die Topläufer/innen mal aus nähester Nähe. Eine Wahnsinnsstimmung! Gänsehautfeeling pur! Und dann ertönt der Startschuß! Wow – zischen die ab! Mehr und mehr Läufer/innen setzen sich langsam in Bewegung. Die Zuschauer jubeln ihnen zu und wünschen alles Gute. Super! Ich denke, im nächsten Jahr bin ich hier auch dabei …. aber das ist noch Zukunftsmusik. 😉

Kurz vor der Bahnhaltestelle erreiche ich meine Schwiegereltern mit meinem Sohn. Wir fahren gemeinsam nach Hause. Dort warten schon Frau und Tochter. Papa ist wieder da! Papa ist neue Bestzeit gelaufen! Alles supi! 🙂

Fazit: Ein herrliches Lauferlebnis und ein noch herrlicheres Laufergebnis! Alles hat gepaßt! Fast wären noch die 1:45 h drin gewesen, aber gut – dann eben beim nächsten Mal (hoffentlich).

Euer Supermario

*1:46:10 h offizielle Nettozeit

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