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Laufbericht: 37. Sengbach-Talsperrenlauf 2012

Vier Wochen sportliche Sommerpause liegen hinter mir und zum Abschluss war die Teilnahme am Kölner Halbmarathon geplant. Doch es rückte gleichermaßen auch ein seit längerem gehegter Wunsch wieder in den Vordergrund – endlich einmal den Sengbach-Talsperrenlauf zu absolvieren. Und da beide Läufe am selben Tag angeboten wurden, entschied ich mich am Ende für letzteren. Schon lange liebäugele ich mit diesem Thema, doch bislang passte der Termin irgendwie nie so recht in die Saisonplanung. Aber dieses Jahr schon. Die letzten 4 Wochen dienten der aktiven Regeneration und wurden genutzt, um längere Läufe im jeweiligen „Tageswohlfühltempo“ sowie regelmäßige grundlegende Kraft-/Stabieinheiten zu absolvieren. Das ganze ergänzt durch einige Steigerungen zum Ende einer Laufeinheit oder einer kontrollierten Endbeschleunigung. Zwischen den Einheiten immer genügend Erholung und so fühlte ich mich fit genug, um am vergangenen Sonntag an den Start des 37. Sengbach-Talsperrenlaufes zu gehen.

Wer den Lauf kennt, weiß, was einen dort erwartet! Ein 10,5km-Rundkurs um die Sengbachtalsperre herum, welcher mit ordentlich Höhenmetern den Saft aus den Läuferbeinen presst. Da ich – wie oben erwähnt – die letzten Wochen einiges an Kilometern abgespult hatte, entschloss ich mich, auch direkt den Halbmarathon zu laufen – also den Rundkurs zweimal zu absolvieren. Da ich überhaupt keine Vorstellung hatte, wie ich mit der Strecke zu recht kommen würde, hielten sich meine Ambitionen auch in so weit in Grenzen, dass ich lediglich versuchen wollte, einen 5er-Schnitt und somit eine Zeit um die 1:45h zu laufen. Meine neue Trainerin Irina (dazu in den nächsten Wochen mehr 😉 ) prognostizierte mir sogar eine 1:43er Zeit, also war ich doch recht zuversichtlich.

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Und so stehe ich dann kurz nach 10 Uhr in der Startaufstellung, bereit mich in den nächsten rund 100 Minuten ordentlich zu quälen. Ich fühle mich gut, bin warmgelaufen und fit. Pünktlich 10.10 Uhr fällt der Startschuss und ich begebe mich mit gehörigem Respekt vor den zu erwartenden Strapazen auf die Strecke. Diese hatte ich in den letzten Tagen immer mal wieder via www.gpsies.com studiert und wusste, dass man gerade am Anfang ab ca. KM2 schon den ersten dicken Berg vorgesetzt bekommt. Also erstmal etwas langsamer angehen. Umso mehr war ich verwundert, dass sehr viele Läufer/innen die ersten Kilometer in einem doch sehr schnellen Tempo loslegten. Gut – mir war klar, dass auch in diesem Jahr wieder einige dabei sind, die den Sengbach-Halbmarathon unter 1:30h laufen, aber trotzdem hatte ich den Eindruck, die/der eine oder andere verrennt sich bereits jetzt schon total. Nun gut – ich hielt mich, so gut es ging, ehrfürchtig zurück, den vom Start weg ging es erstmal nur bergab und somit schlugen die ersten zwei Kilometer mit doch schon recht flotten 4:32min/km und 4:39min/km zu Buche.

In der Talsohle angekommen, konnte ich durch die Bäume bereits erblicken, was nun kam. Der erste Berg! Aber nicht so ein „Kölner Hügel“ – nein – ein richtiger saftiger Anstieg. Noch dazu ordentlich langgezogen. Spätestens jetzt war ich wach und der Kreislauf auf Touren! Aber es lief gut. Es machte sogar zunehmend Spaß und ich merkte, dass mir dieses Gekraxel ganz gut lag. Kamen mir jetzt etwa meine alten Erzgebirgs-Gene zu Gute? In meiner sportlichen Kinder- und Jugendzeit bin ich ja nur solche Berge hoch und runter gerannt. Also nahm ich die Herausforderung an und zog einfach mal durch.

Allerdings ging es nach dem Bergauf auch direkt wieder Bergab – und das nicht zu knapp. Ein „tolles“ Gefühl, mit den „aufgeblasenen“ Oberschenkeln nun wieder ordentlich abzufedern! Zudem musste man nun umso mehr auf den Boden achten, da die relativ naturbelassene Strecke in vielen Bereichen noch ziemlich nass vom morgendlichen Regen war. Wieder unten angekommen, dauerte es nicht lange und der nächste Anstieg war in Sicht. Und so ging es in einem fort. Berg und Tal vom Feinsten!

Ich lief mittlerweile in einer kleineren Gruppe. So war es nicht so eintönig und man konnte sich gerade an den Bergaufpassagen gut mitziehen lassen. Doch nach wie vor war meist ich der „Zugesel“, denn irgendwie konnte ich mich am Berg immer ein wenig vom Rest der Truppe absetzen. Kurz nach KM9 ging es dann auf die große Staumauer. Ein sehr imposantes Bauwerk mit einem schönen Ausblick ins Tal. Aber was im Anschluss folgte, war schlichtweg der Hammer! Ein Berg, der wohl hier in der Gegend seines Gleichen sucht! Unglaublich! Nach einem kurzen Anstieg ging es in eine Linkskurve und danach schaute man nur noch nach oben. Hier war das erste Mal echter purer Kampf angesagt! Die Pace fiel und fiel und man konnte nur mit kleinen Schritten voran kommen. Nach gut 200 Metern dann wieder links ab und weiter nach oben. Noch einmal gut 300 Meter und dann war der Gipfel erreicht. Wahnsinn! Jeder Meter, den es nun wieder flacher wurde, war purer Genuss! Doch das war ja erst Runde 1! Nun hieß es – das Ganze bitte noch einmal!

Ich lief nun im permanenten Führungswechsel mit einer Läuferin (spätere Drittplatzierte bei den Frauen) und einem Läufer. Vor uns, in gut 200 Metern Abstand, zwei weitere Läufer. So hielt es sich eine ganze Weile. Doch irgendwann wurden meine zwei „Laufpartner“ langsamer. Ich hatte aber noch genug Saft und zog allein weiter. Die zwei vor uns laufenden hatten sich mittlerweile auch bis auf gut 100 Meter getrennt. Ich lief nun nach und nach auf den Hinteren der beiden auf und konnte in kurz vor KM19 – wieder mal an einem Berg –überholen. Nun folgte zum zweiten Mal die Überquerung der Staumauer und dann galt es ein letztes Mal auf die Zähne zu beißen. Dieser fiese Berg war nun noch einmal – quasi als großes Finale – zu überwinden.

Nach der ersten Linkskurve sah ich den zweiten Läufer vor mir. Mit gut geschätzten 2 Metern Körpergröße hatte er hier mächtig zu kämpfen. Ich schob mich mehr und mehr heran und zog vorbei. Ein weiterer Läufer mit sichtlichen Problemen war bereits in Reichweite. Auflaufen und vorbei. Auf einmal flotte Schritte von hinten. Wer kam denn da? Ein etwas jüngerer Läufer überholte mich plötzlich kurz vor Ende des Berges als wäre er gerade erst losgelaufen. Keine Ahnung, wo der auf einmal herkam – aber er schien wohl das Feld von hinten aufzurollen. Alle Achtung, denn zu diesem Zeitpunkt war eigentlich jeder mehr oder weniger platt. Ich musste ihn natürlich ziehen lassen. Eine Tempoverschärfung war in keinem Fall mehr drin. Kurz vor dem Gipfel hatten sich einige Schaulustige versammelt und feuerten uns mit ordentlich Beifall und aufmunternden Zurufen an. Genau zum richtigen Moment! Prima!

Oben auf dem Gipfel ging es nun in Richtung Ziel. Die letzten 500 Meter waren in Hunderterschritten angeschlagen. Gut für die Psyche! Noch 400, noch 300, noch 200, noch 100 – man wird mit Startnummer und Namen anmoderiert und dann endlich die Zielmatte. Aus die Maus! 1:41:09h. Wow – das ging ja viel besser als ich dachte! Ich drehe mich um und warte auf die zwei „Vorläufer“ und meine/n „Laufpartner/in“, die nun auch alle nach und nach im Ziel eintreffen. Wir klatschen uns ab und quatschen im Anschluss bei einem leckeren alkoholfreien Erdinger ein bisschen. Jeder ist sichtlich erleichtert, das Ding gemeistert zu haben. Nach ein paar Minuten wird es mir allerdings doch ein wenig zu frisch und ich verabschiede mich. Schnell Jacke und Cape aus dem Umkleidezelt holen und im Auslaufschritt gut 800 Meter zurück zum Auto. Trockene Sachen an und ab nach Hause. Der Restsonntag gehört natürlich wieder der Familie.

Fazit meines ersten Sengbach-Halbmarathons: Genial! Hat wirklich Spaß gemacht! Auch wenn es teilweise sehr hart war, so war es doch seit langem mal wieder etwas ganz anderes. Dazu noch eine wirklich sehr schöne Naturstrecke, saubere frische Waldluft, eine toporganisierte Veranstaltung mit einer riesigen Auswahl an Zielverpflegung – alles super! Ich denke, das war nicht meine letzte Laufteilnahme an der Sengbachtalsperre.

Mit meiner Leistung bin ich mehr als zufrieden! Da wäre sogar bei vorheriger Streckenkenntnis mit Sicherheit auch noch ein wenig mehr drin gewesen. Aber gut –fürs erste Mal – okay. In der Wertung brachte das Laufergebnis einen 46. Platz (190) bei den Männern gesamt und einen 9. Platz (38) in der AK M40. Nun ist die Sommerpause vorbei und die Vorbereitung auf die nächsten Wettkämpfe läuft an. Mal schauen, was im restlichen Jahr noch so geht. Wie eingangs ja etwas scherzhaft erwähnt, habe ich eine neue Trainerin, namens Irina. Tatsächlich trainiere ich seit zwei Wochen mit Vicsystem, wo die Erfahrungen aus unzähligen Trainingseinheiten und Wettkämpfen von Irina Mikitenko mit einfließen. Man hört und liest ja immer wieder die unterschiedlichsten Meinungen zu Vicsystem. Ich habe ein Jahres-Abo abgeschlossen und bin bislang nach den ersten Eindrücken zufrieden. Zu gegebener Zeit möchte ich dann auch gern mal meine gewonnen Erfahrungen etwas ausführlicher in einem separaten Blogpost darlegen.

In diesem Sinne – RUN ON und eine gute und gesunde zweite Jahreshälfte!